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Fenster

Ausschnitte und Einbau von Fenstern

Damit auch genügend Licht und Luft ins Innere des Campers gelangen kann, sollte man Fenster einbauen. Ich werde häufig gefragt, wie ich das gemacht habe, oder ob die Fenster schon vorher eingebaut waren. Löcher in die Karosserie zu schneiden kann tatsächlich ein mulmiges Gefühl auslösen, vor allem wenn der Bus neu war. Ich habe auch viele Selbstbau-Busse gesehen, die gar keine Fenster eingebaut hatten. Das finde ich aber schade, denn etwas Sonnenlicht sollte man im Innern schon haben. Und so schwierig ist der Fenstereinbau auch nicht, wenn man es richtig macht.

Die erste Frage: Welche Fenster soll man nehmen? Herkömmliche Autofenster sind nicht ideal, denn sie sind nicht isoliert, und das merkt man sofort beim Heizen oder auch im Sommer, wenn man das Auto in der Sonne stehen lässt. Hat der Bus bereits Fenster, sollte man sie durch isolierte Fenster austauschen oder zumindest tönen lassen. Für meine Frontscheiben habe ich passende Iso-Matten gekauft, die ich mit Saugnäpfen von innen anbringen kann, um zusätzlich zu isolieren. Die hinteren Scheiben habe ich bisher nicht isoliert, was ich aber noch nachholen werde. In der Nacht geht über diese Scheiben viel Wärme verloren, was sich dann gegen 4 Uhr morgens bemerkbar macht…

Für die anderen 4 Fenster (2 Seitenfenster + 2 Dachfenster) habe ich Camping-Fenster aus Acrylglas eingebaut. Neu sind sie recht teuer, für ein Seitenfenster in der Grösse wie ich sie habe muss man 300-400 Franken rechnen. Der Vorteil ist aber, dass sie gleich eine Store und ein Mückennetz eingebaut haben. So kann der Camper komplett abgedunkelt werden. Occasion-Fenster hatte ich keine gefunden, aber es lohnt sich sicher danach zu suchen oder ein altes Wohnmobil auseinander zu nehmen.

Bild: Ein Campingfenster, wie es im Handel erhältlich ist. Quelle: fritz-berger.de

Nach der Auswahl und dem Kauf müssen die Fenster eingebaut werden. Dazu müssen Löcher in die Karosserie geschnitten werden. Viele Leute haben Angst davor, in das neu erworbene Basisfahrzeug ein Loch zu schneiden. Es ist aber ganz einfach. Es ist nur ganz wichtig, vorher gut abzumessen und das Fenster korrekt anzuzeichnen. Und höchstens das zweitgrösste erhältliche Fenster wählen, dann hat man noch eine Notfall-Option, falls das Loch zu gross geraten ist.

Achtung: Bereits bei der Planung beachten, keine tragenden Elemente der Karosserie durchzutrennen! Das sind die Haupt-Blechverstrebungen, die etwas dicker sind. Es gibt auch Verstrebungen, die nur verhindern sollen, dass das Blech nicht flattert. Diese kann man ohne Problem durchtrennen. Im Zweifelsfall beim Strassenverkehrsamt nachfragen! Je neuer das Fahrzeug, desto mehr Verstrebungen hat es. Bei meinem Sprinter mit Jahrgang 2007 wäre deshalb der Einbau von grösseren Fenstern gar nicht möglich gewesen.

Bild: Angezeichneter Ausschnitt. Das Klebeband schützt den umliegenden Lack vor der Stichsäge. Die Anti-Flatter-Verstrebung in der Mitte darf durchtrennt werden, die Verstrebung links vom Fenster ist jedoch tragend und muss stehen gelassen werden.

Nachdem das Fenster sorgfältig angezeichnet worden ist, kann das Loch ausgesägt werden. Es empfiehlt sich, den Bereich um den Ausschnitt mit Klebeband vor der Säge zu schützen, damit sie den Lack nicht beschädigt. Ich habe mit einer ganz normalen Stichsäge und einem Sägeblatt für Metall gearbeitet, das funktioniert recht gut. Zuerst habe ich in allen Ecken ein Loch gebohrt, und dann von jedem Loch aus der Linie entlang bis zum nächsten Loch gesägt, aber immer noch ein Stück ausgelassen! Fällt das Fenster nämlich auf der einen Seite schon heraus, flattert das Metall und das Sägen wird unmöglich. Damit das Blechstück nach dem Sägen nicht herausfällt und dabei das Fahrzeug beschädigt, braucht man entweder eine Hilfsperson, oder Gaffa-Tape um das Blech festzukleben und dann kontrolliert zu entnehmen.

Bild: Der fertige Karosserie-Ausschnitt

Anschliessend ist der Rostschutz extrem wichtig, blosse Stellen am Blech beginnen bereits innerhalb eines Tages zu rosten! Auch wenn das Fenster einmal eingebaut ist, kann man Feuchtigkeit nicht vermeiden, deshalb die Stellen unbedingt mehrere Male mit Rostschutz und Lack behandeln! Sonst wird es dort früher oder später zu rosten beginnen und das Fenster herausfallen! Auch die Sägespäne sollten direkt nach der Arbeit mit einem Staubsauger aufgesaugt werden. Bei mir haben sie sich in der Gummiverkleidung der Windschutzscheibe angesammelt und vor sich hin gerostet. Eine besondere Challenge war auch das Sägen im Dach. Eine normale Schutzbrille hilft nicht viel, wenn man über sich mit der Stichsäge hantiert. Nach einem Besuch beim Doktor, um einen Lacksplitter aus dem Auge zu entfernen habe ich dann mit der Skibrille weitergesägt.

Wenn die Karosserieausschnitte fertig und lackiert sind, kann man mit dem Fenstereinbau beginnen. Es muss auch die Wandstärke beachtet werden, meine Fenster waren für eine Wandstärke von 20-30mm ausgelegt. Das Blech des Sprinters war aber nur 2-3mm dick. Deshalb habe ich für jedes Fenster noch einen Holzrahmen gezimmert. Danach war der Einbau ganz einfach: Die Fenster sind zweiteilig, und es muss nur der Aussenteil mit dem Innenteil verschraubt werden und sie halten von selbst. Sie sollten eigentlich auch schon so dicht sein, aber vorsorglich habe ich vor dem Verschrauben noch einmal mit Silikon abgedichtet. Tipp: Einen Finger mit Abwaschmittel anfeuchten, dann lässt sich das Silikon verstreichen und klebt nicht.

Bild: Das fertig eingebaute Fenster mit Holzrahmen

 

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